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Implantataktivierung

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Auch bekannt als

AUS-Aktivierung, Schließmuskelaktivierung, Geräteinitialisierung, AMS 800-Aktivierung, prothetischer Schließmuskeleingriff, Aktivierung des Harnkontrollgeräts, Conti™-Aktivierung

Definition

Die Aktivierung des Implantats bezeichnet das Einschalten eines künstlichen Harnröhrenschließmuskels (AUS) nach der anfänglichen Heilungsphase nach der Implantation.1 Bei diesem entscheidenden Schritt wird der Deaktivierungsknopf an der Skrotalpumpe des AUS-Systems gelöst, sodass der druckregulierende Ballon Flüssigkeit in die Harnröhrenmanschette übertragen kann und das Implantat in seinen normalen Betriebszustand versetzt wird.2 Durch die Aktivierung kann die Manschette die Harnröhre zirkulär komprimieren und so Harnkontinenz herstellen, während bei Bedarf eine vom Patienten gesteuerte Blasenentleerung möglich bleibt.3 Der Eingriff wird in der Regel 4 bis 6 Wochen nach der Implantation durchgeführt und stellt den letzten Schritt dar, um mittels prothetischer Intervention eine funktionelle Kontrolle der Harninkontinenz herzustellen.4

Klinischer Kontext

Die Implantataktivierung ist in erster Linie bei der Behandlung einer mittelschweren bis schweren Belastungsinkontinenz (SUI) infolge einer intrinsischen Sphinkterinsuffizienz indiziert, am häufigsten nach radikaler Prostatektomie wegen Prostatakrebs.1 Zu den Kriterien der Patientenauswahl für die Implantation eines künstlichen Harnröhrenschließmuskels und die anschließende Aktivierung gehören ausreichende manuelle Geschicklichkeit, die kognitive Fähigkeit zur Bedienung des Implantats und die Motivation, mit dem System umzugehen.2

Der Zeitpunkt der Implantataktivierung ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Das Standardprotokoll sieht vor, die Aktivierung um 4–6 Wochen nach der Implantation aufzuschieben, um eine ausreichende Heilung und den Rückgang des Gewebeödems zu ermöglichen.3 Bei Patienten mit fragiler Harnröhre oder nach einer Strahlentherapie kann diese Wartezeit auf 8 Wochen verlängert werden, um das Risiko einer Harnröhrenerosion zu minimieren.3 Bei der Aktivierung betätigt der Urologe die skrotale Pumpe, um das Implantat aus seinem deaktivierten Zustand zu lösen, sodass das System wieder einen normalen Druck auf die Harnröhre aufbauen kann.4

Die Patientenschulung beim Aktivierungstermin ist unerlässlich und umfasst Anweisungen zur Bedienung des Implantats beim Wasserlassen: Durch Drücken der Pumpe wird die Manschette entleert und die Blasenentleerung ermöglicht; anschließend füllt sich das System innerhalb von 3-5 Minuten automatisch wieder.5 Bei richtig ausgewählten Patienten sind die Erfolgsraten hoch: 70-90 % berichten über eine deutliche Verbesserung der Kontinenz.1 Zu den möglichen Komplikationen, die nach der Aktivierung auftreten können, gehören jedoch mechanisches Versagen, Harnröhrenatrophie, Erosion oder Infektion, weshalb regelmäßige Nachkontrollen erforderlich sind.2

Wissenschaftliches Zitat

[1] Carson CC. Artificial urinary sphincter: current status and future directions. Asian J Androl. 2020 Feb 25;22(2):154-157. DOI: 10.4103/aja.aja_5_20

[2] Brant WO, Martins FE. Artificial urinary sphincter. Transl Androl Urol. 2017 Aug;6(4):682-694. DOI: 10.21037/tau.2017.07.31

[3] James MH, McCammon KA. Artificial urinary sphincter for post‐prostatectomy incontinence: A review. Int J Urol. 2014;21(6):536-543. DOI: 10.1111/iju.12392

[4] Chung E, Liao L, Kim JH, et al. The Asia-Pacific AMS800 artificial urinary sphincter consensus statement. Int J Urol. 2023;30(2):128-138. doi:10.1111/iju.15083. PMID: 36375037

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