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Transkorporale Manschette

Auch bekannt als

TC-Manschette, Transkorporale AUS-Manschette, Transkorporale Manschette des künstlichen Harnröhrensphinkters, Transalbugineale Manschette, Transkorporale Urethramanschette, TC-Technik

Definition

Die Transkorporale Manschette ist eine spezialisierte Technik zur Platzierung der Manschette eines künstlichen Harnröhrensphinkters (AUS), bei der die Manschette bei Revisionsfällen von Harninkontinenz durch das Corpus cavernosum positioniert wird.1 Dieser chirurgische Ansatz beinhaltet die Schaffung eines Tunnels durch einen Teil der Corpora cavernosa, um eine zirkuläre Kompression der Urethra zu ermöglichen und gleichzeitig eine direkte posteriore Urethradissektion zu vermeiden.2 Die Technik wurde erstmals 2002 als Salvage-Verfahren für Patienten mit kompromittierter Urethra beschrieben, insbesondere bei vorausgegangener Urethraerosion, Bestrahlung oder Urethroplastik.3

Bei der transkorporalen Technik werden bilaterale Korporotomien durchgeführt und die Manschette sowohl um die Urethra als auch um einen Teil der Tunica albuginea der Corpora cavernosa platziert.4 Dies bietet zusätzliches Gewebevolumen zwischen der Manschette und der Urethra, was zum Schutz des posterioren Aspekts der Urethra während der Dissektion beiträgt und potenziell das Risiko einer nachfolgenden Erosion bei Hochrisikopatienten verringert.5 Das Verfahren wird vor allem in Fällen eingesetzt, in denen eine standardmäßige bulbäre Urethramanschettenplatzierung aufgrund früherer chirurgischer Eingriffe oder Gewebeschäden anspruchsvoll oder kontraindiziert ist.6

Klinischer Kontext

Die Transkorporale Manschette wird vor allem in spezifischen klinischen Szenarien bei männlicher Belastungsharninkontinenz (SUI) eingesetzt, in denen eine standardmäßige Implantation eines künstlichen Harnröhrensphinkters (AUS) anspruchsvoll oder kontraindiziert ist.1 Zu diesen Szenarien gehören:

1. Revisionsoperationen

Bei Patienten, die eine frühere AUS-Manschettenerosion oder ein mechanisches Versagen erlitten haben, das eine Explantation und einen Ersatz des Systems erforderte.2 Der transkorporale Zugang bietet zusätzliches Gewebevolumen zwischen Manschette und Urethra, was potenziell das Risiko einer rezidivierenden Erosion verringert.3

2. Kompromittierte Urethra

Bei Patienten mit Urethraatrophie, vorangegangener Urethroplastik oder strahleninduzierten Gewebeschäden, bei denen die standardmäßige bulbäre Urethradissektion schwierig oder gefährlich sein kann.4 Die Technik ist besonders wertvoll bei Patienten, die sich einer Bestrahlungstherapie des Beckens unterzogen haben, welche Gewebefibrose und schlechte Vaskularisation verursachen kann.5

3. Salvage-Eingriffe

Als Salvage-Option, wenn andere Inkontinenzbehandlungen versagt haben, insbesondere bei Hochrisikopatienten mit mehreren Voroperationen oder Bestrahlung.6

Der Eingriff wird unter Vollnarkose über einen perinealen Zugang durchgeführt. Nach Freilegung der bulbären Urethra werden bilaterale Korporotomien angelegt und die Manschette durch die Schwellkörperkörper geführt, wobei sie sowohl die Urethra als auch einen Teil der Tunica albuginea umschließt.1 Diese Technik vermeidet die Notwendigkeit einer zirkulären Urethramobilisation, welche die urethrale Blutversorgung in bereits vulnerablem Gewebe beeinträchtigen kann.4

Ergebnisdaten zeigen, dass der transkorporale Zugang in diesen anspruchsvollen Fällen zufriedenstellende Kontinenzraten bietet (69–88 % erreichen eine soziale Kontinenz).2 Studien, die transkorporale Manschetten mit Standard- oder 3,5-cm-Manschetten vergleichen, haben jedoch bei Langzeit-Follow-up potenziell höhere Erosionsraten bei der transkorporalen Technik gezeigt.5 Der Eingriff kann zudem die erektile Funktion bei potenten Patienten beeinträchtigen, da er eine Dissektion durch die Corpora cavernosa beinhaltet.6 Daher sind Patientenselektion und Beratung hinsichtlich potenzieller Komplikationen und Erwartungen wesentliche Bestandteile der klinischen Entscheidungsfindung.

Wissenschaftliches Zitat

[1] Al Saffar H, Sandhu K, O'Brien JS, Wang QW, Kelly BD, Moon D. Complicated artificial urinary sphincter insertion using the transcorporal cuff: keys to the tunical flap technique. Transl Androl Urol. 2024;13(4). DOI: https://doi.org/10.21037/tau-23-641

[2] Long EL, Petrossian A, Moncada I, Moore C, Slevin T, Ahyai S. Transcorporal artificial urinary sphincter in radiated and non-radiated compromised urethra. Assessment with a minimum 2 year follow-up. Int Braz J Urol. 2016;42(3):494-500. DOI: https://doi.org/10.1590/S1677-5538.IBJU.2015.0329

[3] Maurer V, Dahlem R, Rosenbaum CM, Vetterlein MW, Schultz M, Fisch M, Ludwig TA. Distal Double Cuff Vs Transcorporal Cuff as Salvage Options—A Prospective Analysis of Different Artificial Urinary Sphincter (AMS 800) Implantation Sites. Urology. 2019;134:234-239. DOI: https://doi.org/10.1016/j.urology.2019.07.038

[4] Sacco E, Marino F, Gandi C, Bientinesi R, Totaro A, Moretto S, Gavi F, Campetella M, Racioppi M. Transalbugineal Artificial Urinary Sphincter: A Refined Implantation Technique to Improve Surgical Outcomes. J Clin Med. 2023;12(8):3021. DOI: https://doi.org/10.3390/jcm12083021

[5] Davenport MT, Akhtar AM, Shakir NA, Baumgarten AS, Yi YA, Bergeson RL, Ward EE, Morey AF. Comparison of 3.5 cm and transcorporal cuffs in high-risk artificial urinary sphincter populations. Transl Androl Urol. 2020;9(1):56-61. DOI: https://doi.org/10.21037/tau.2019.11.08

[6] Guralnick ML, Miller E, Toh KL, Webster GD. Transcorporal artificial urinary sphincter cuff placement in cases requiring revision for erosion and urethral atrophy. J Urol. 2002;167(5):2075-2078. DOI: https://doi.org/10.1016/S0022-5347(05)65087-9