Auch bekannt als
Tandem-Manschetten-Platzierung, Tandem-Manschetten-Technik, Doppelmanschetten-AUS, Dual-Cuff-Technik, Urethrale Tandem-Manschetten-Platzierung
Definition
Die Doppelmanschettentechnik ist eine spezialisierte chirurgische Methode bei der Implantation eines künstlichen Harnröhrensphinkters (AUS), bei der zwei Verschlussmanschetten um die bulbäre Harnröhre platziert werden, um die Kontinenzergebnisse bei Patienten mit schwerer Belastungsinkontinenz zu verbessern.1 Diese Technik wurde erstmals 1993 von Brito et al. als Lösung für Patienten beschrieben, die trotz eines Einzelmanschetten-AUS weiterhin unter erheblichem Urinverlust litten.1 Bei diesem Ansatz wird typischerweise eine zweite Manschette 1–2 cm distal der primären Manschette platziert, wobei beide Manschetten über einen Y-förmigen Adapter mit einer einzigen Steuerpumpe und einem druckregulierenden Ballon verbunden werden.3 Die durch die beiden Manschetten erzeugten doppelten zirkulären Kompressionspunkte sorgen für eine verbesserte Koaptation der Urethra, was die Kontinenzraten bei Patienten mit schwerer Inkontinenz signifikant verbessert.1 Dem System wird zusätzliche Flüssigkeit (1–3 cc) hinzugefügt, um das in der zweiten Manschette gebundene Volumen auszugleichen.3 Diese Technik steigert die Erfolgsrate bei der Implantation eines künstlichen Harnröhrensphinkters bei entsprechend ausgewählten Patienten mit schwerer Belastungsinkontinenz auf über 95 %.1
Klinischer Kontext
Die Doppelmanschettentechnik ist primär für Patienten mit schwerer Belastungsinkontinenz indiziert, die vor der Implantation des künstlichen Sphinkters nahezu vollständig inkontinent sind.1 Etwa 15 % der mit einem Einzelmanschetten-AUS behandelten Patienten leiden trotz gewisser Besserung weiterhin unter erheblichem Urinverlust, was sie zu Kandidaten für diesen Ansatz macht.1 Die Technik wird auch als Revisionsstrategie für Patienten mit Urethraatrophie an der ursprünglichen Manschettenposition eingesetzt, was eine der häufigsten Ursachen für nicht-mechanisches Versagen oder Implantatrevisionen darstellt.3
Der chirurgische Eingriff umfasst die sorgfältige Platzierung der zweiten Manschette etwa 1–2 cm distal der primären Manschette, mit einem adäquaten Abstand von etwa 1 cm zwischen den beiden Manschetten.3 Ein Y-förmiger Adapter, der mit freien Ligaturen aus nicht-resorbierbarem Nahtmaterial gesichert wird, verbindet den Pumpenschlauch mit beiden Manschetten.3 In Fällen von stark atrophischem Harnröhrengewebe (Messung <3,5 cm), distaler Urethraverjüngung oder schwierigen Präparationsebenen (z. B. bei Patienten mit vorangegangener Beckenbestrahlung) kann ein transkorporaler Ansatz in Kombination mit der Doppelmanschetten-Konfiguration angewendet werden.3
Langzeit-Follow-up-Studien zeigten keinen signifikanten Unterschied beim 3-Jahres-Gesamtüberleben des Implantats zwischen Revisionen mit Einzelmanschette und Tandemmanschette (60 % gegenüber 76 %, p=0,94).2 Allerdings könnten Männer, die Doppelmanschetten-Implantate erhalten, ein höheres Risiko für Komplikationen aufweisen, die eine erneute Operation erfordern.2 Dennoch konnte gezeigt werden, dass die Doppelmanschettentechnik die Erfolgsrate bei der Implantation eines künstlichen Harnröhrensphinkters bei entsprechend ausgewählten Patienten mit schwerer Belastungsinkontinenz auf über 95 % steigert.1
