Auch bekannt als
Testosteronmangel, Androgenmangel, männliche Gonadeninsuffizienz, Hodenversagen (hauptsächlich bei primärem Hypogonadismus), Hypoandrogenismus, niedriger T.
Definition
Der männliche Hypogonadismus ist ein klinisches Krankheitsbild, das dadurch gekennzeichnet ist, dass die Hoden nicht ausreichend männliches Sexualhormon (Testosteron) und/oder keine normale Anzahl an Spermien produzieren.¹ Er entsteht durch eine Störung auf einer beliebigen Ebene der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (HPG-Achse), die die Hodenfunktion reguliert.² Der Hypothalamus produziert das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH), das die Hypophyse zur Ausschüttung von luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon (FSH) anregt. LH wiederum stimuliert die Leydig-Zellen in den Hoden zur Testosteronproduktion, während FSH für die Spermatogenese (Spermienproduktion) entscheidend ist.³
Der männliche Hypogonadismus lässt sich in zwei Haupttypen einteilen:⁴
- Primärer Hypogonadismus (hypergonadotroper Hypogonadismus): Diese Form hat ihren Ursprung in einem Problem der Hoden selbst (Hodeninsuffizienz). Die Hoden sprechen nicht ausreichend auf die Stimulation durch die Hypophyse an, was zu niedrigem Testosteron und/oder einer gestörten Spermienproduktion führt, häufig begleitet von erhöhten LH- und FSH-Spiegeln, da die Hypophyse versucht, dies auszugleichen. Zu den Ursachen gehören genetische Erkrankungen wie das Klinefelter-Syndrom, Hodenhochstand (Kryptorchismus), Mumps-Orchitis (Hodenentzündung infolge von Mumps), Hämochromatose (Eisenüberladung), direkte Verletzungen der Hoden sowie Nebenwirkungen von Krebsbehandlungen wie Chemo- oder Strahlentherapie.⁴˒⁵
- Sekundärer Hypogonadismus (hypogonadotroper Hypogonadismus): Diese Form entsteht durch eine Funktionsstörung des Hypothalamus oder der Hypophyse. Diese Hirnregionen produzieren nicht genügend GnRH, LH oder FSH, was zu einer unzureichenden Stimulation ansonsten normaler Hoden führt. Infolgedessen sind die Testosteronproduktion und die Spermatogenese vermindert, und die LH- und FSH-Spiegel sind typischerweise niedrig oder inadäquat normal. Zu den Ursachen gehören das Kallmann-Syndrom (eine genetische Störung, die die GnRH-Produktion und den Geruchssinn beeinträchtigt), Hypophysentumoren oder -erkrankungen, entzündliche Erkrankungen mit Beteiligung von Hypothalamus oder Hypophyse (z. B. Sarkoidose), HIV/AIDS, bestimmte Medikamente (z. B. Opioide, Glukokortikoide), Adipositas und das Altern.⁴˒⁵
Das Hauptziel der Diagnose und Behandlung des männlichen Hypogonadismus besteht darin, Symptome zu lindern, gegebenenfalls normale Testosteronspiegel wiederherzustellen, die Lebensqualität zu verbessern und möglichen Langzeitkomplikationen wie Osteoporose, Veränderungen der Körperzusammensetzung, Stimmungsstörungen und Unfruchtbarkeit entgegenzuwirken.⁶ Die Behandlungsstrategien hängen von der Ursache, dem Alter des Patienten, den Symptomen und dem Kinderwunsch ab und können eine Testosteronersatztherapie (TRT), Änderungen des Lebensstils oder Behandlungen zur Wiederherstellung der Fruchtbarkeit umfassen.²
Klinischer Kontext
Der männliche Hypogonadismus ist ein Krankheitsbild, das in verschiedenen klinischen Situationen auftritt und sich je nach Alter bei Beginn und Schweregrad unterschiedlich äußert. Seine klinische Bedeutung liegt in seinen Auswirkungen auf die sexuelle Entwicklung, die Fortpflanzungsfunktion, die Knochengesundheit, die Muskelmasse, die Stimmung und die allgemeine Lebensqualität.1˒2
Klinischer Einsatz/Relevante Erkrankungen: Die Diagnose eines männlichen Hypogonadismus wird in Betracht gezogen, wenn ein Mann Symptome aufweist, die auf einen Testosteronmangel und/oder Unfruchtbarkeit hindeuten, und dies durch laborchemische Nachweise niedriger Testosteronspiegel gestützt wird.1 Die Symptome variieren je nach Alter:
- Fetale Entwicklung: Ein Testosteronmangel kann zu einem gestörten Wachstum der äußeren Geschlechtsorgane führen, mit der Folge eines uneindeutigen Genitales oder unterentwickelter männlicher Genitalien.2
- Pubertät: Ein Hypogonadismus kann eine verzögerte Pubertät, eine fehlende normale Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale (z. B. Stimmbruch, Aufbau von Muskelmasse, Körper-/Gesichtsbehaarung, Penis-/Hodenwachstum), eine Gynäkomastie (Entwicklung von Brustdrüsengewebe) und unverhältnismäßig lange Gliedmaßen verursachen.2
- Erwachsenenalter: Zu den Symptomen können verminderte Libido, erektile Dysfunktion, verminderte Energie, Depression, Unfruchtbarkeit, Verlust von Muskelmasse und -kraft, verminderte Knochenmineraldichte (Osteoporose), Verlust der Körperbehaarung, Gynäkomastie, Hitzewallungen und Konzentrationsschwierigkeiten gehören.2˒6
Zu den Erkrankungen, die mit einem Hypogonadismus einhergehen oder dafür prädisponieren, zählen das Klinefelter-Syndrom, das Kallmann-Syndrom, Hypophysentumoren, Hodentrauma oder -infektionen (z. B. Mumps-Orchitis), Hämochromatose, chronische Erkrankungen (z. B. HIV/AIDS, terminale Niereninsuffizienz, schwere COPD), Typ-2-Diabetes, Adipositas sowie die Einnahme bestimmter Medikamente wie Opioide oder eine dauerhafte Glukokortikoidtherapie.1˒4
Kriterien für die Patientenauswahl zur Behandlung: Eine Behandlung wird im Allgemeinen Männern mit symptomatischem Hypogonadismus und eindeutig niedrigen Testosteronspiegeln empfohlen, bestätigt durch mindestens zwei getrennte Messungen am frühen Morgen.1˒3 Asymptomatische Männer mit lediglich laborchemischem Nachweis niedriger Testosteronspiegel benötigen möglicherweise nicht immer eine Behandlung; die Entscheidung wird individuell getroffen.2 Ziele der Behandlung sind die Linderung der Symptome sowie die Verbesserung der Sexualfunktion, der Knochendichte, der Muskelmasse und der Stimmung.3
Bei der Patientenauswahl wird auch der Kinderwunsch berücksichtigt. Eine Testosteronersatztherapie (TRT) unterdrückt die Spermatogenese, sodass Männer mit Kinderwunsch möglicherweise alternative Behandlungen wie Clomifencitrat oder eine Gonadotropintherapie benötigen, um die körpereigene Testosteronproduktion und die Spermienentwicklung anzuregen.1˒3
Chirurgische Verfahren (falls zutreffend): Chirurgische Verfahren sind in der Regel keine primäre Behandlung des Hypogonadismus selbst, können aber in bestimmten Situationen relevant sein:
- Hodenhochstand (Kryptorchismus): Die Orchidopexie, ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Hoden bzw. die Hoden in das Skrotum verlagert werden, wird im Kindesalter durchgeführt, um das Risiko von Unfruchtbarkeit und Hodenkrebs zu verringern, die mit einem primären Hypogonadismus einhergehen können.2
- Hypophysentumoren: Die chirurgische Entfernung eines Hypophysentumors, der einen sekundären Hypogonadismus verursacht, kann mitunter die normale Hypophysenfunktion wiederherstellen, wobei ein Hormonersatz dennoch erforderlich sein kann.4
Erwartete Ergebnisse: Bei angemessener Behandlung können viele Symptome des Hypogonadismus gebessert oder rückgängig gemacht werden. Eine TRT kann zu deutlichen Verbesserungen der Libido, der Erektionsfähigkeit (in manchen Fällen), des Energieniveaus, der Stimmung, der Muskelmasse und der Knochenmineraldichte führen.1˒3˒6 Die Auswirkungen auf die kognitive Funktion und die kardiovaskuläre Gesundheit sind Gegenstand laufender Forschung.3
Bei Männern mit sekundärem Hypogonadismus aufgrund reversibler Ursachen (z. B. medikamentös bedingt, adipositasbedingt) kann die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache mitunter die normale Hodenfunktion wiederherstellen. Bei primärem Hypogonadismus oder irreversiblem sekundärem Hypogonadismus ist die TRT häufig eine lebenslange Therapie. Die Ergebnisse im Hinblick auf die Fruchtbarkeit hängen von der spezifischen Ursache und dem Behandlungsansatz ab; eine TRT beeinträchtigt die Fruchtbarkeit, während andere Behandlungen sie in ausgewählten Fällen wiederherstellen können.1
