Auch bekannt als
Doppelmanschetten-künstlicher Harnröhrensphinkter, künstlicher Harnröhrensphinkter mit Tandem-Manschette, Dual-Cuff-AUS, transkorporale Tandem-Manschette für künstlichen Sphinkter, sequentielle Manschettenplatzierung
Definition
Eine Tandem-Manschette ist eine chirurgische Konfiguration, bei der zwei Manschetten eines künstlichen Harnröhrensphinkters (artificial urinary sphincter, AUS) in Serie um die Urethra platziert werden, um die Kontinenz bei Patienten mit Belastungsinkontinenz zu verbessern – insbesondere in Fällen, in denen eine einzelne Manschette aufgrund einer Urethraatrophie versagt hat oder ein hohes Risiko für Erosionen oder Infektionen besteht.1 2 Bei dieser Technik wird eine zweite Urethramanschette entweder proximal oder distal (typischerweise in einem Abstand von 1-2cm) zu einer bestehenden Manschette platziert, wobei beide Manschetten über einen Y-Adapter mit einem einzelnen druckregulierenden Ballon und einer Steuerungspumpe verbunden sind.3 4 Die Tandem-Konfiguration zielt darauf ab, eine zusätzliche zirkuläre Kompression der Urethra zu gewährleisten, wodurch der okklusive Effekt verstärkt und die Kontinenzergebnisse in schwierigen Fällen verbessert werden.5
Klinischer Kontext
Die Konfiguration mit Tandem-Manschette wird primär als Salvage-Verfahren bei Patienten eingesetzt, bei denen nach einer primären Implantation eines künstlichen Harnröhrensphinkters eine rezidivierende Belastungsinkontinenz aufgetreten ist.1 Dieses klinische Szenario entsteht meist infolge einer Urethraatrophie, die sich entwickelt, wenn die dauerhafte zirkuläre Kompression des Corpus spongiosum durch den AUS im Laufe der Zeit zu einer Gewebeausdünnung führt.4
Zu den Patientenselektionskriterien für die Implantation einer Tandem-Manschette gehören:
- Patienten mit Belastungsinkontinenz nach Prostatektomie, bei denen die primäre AUS-Implantation versagt hat5
- Patienten mit gesicherter Urethraatrophie (zystoskopisch nachgewiesen als inkomplette Urethrakoaptation bei Aktivierung des Systems)4
- Patienten mit persistierender Inkontinenz trotz adäquater Flüssigkeitsmenge im AUS-System5
- Fälle mit hohem Risiko einer erneuten Erosion oder Infektion nach fehlgeschlagener AUS-Implantation2
Der chirurgische Implantationsprozess umfasst die Platzierung einer zweiten Manschette etwa 1-2cm distal oder proximal zur bestehenden Manschette.4 Ein Y-Adapter verbindet den Pumpenschlauch mit beiden Manschetten, und dem System wird zusätzliche Flüssigkeit (1-3cc) hinzugefügt, um das in der zweiten Manschette gebundene Volumen auszugleichen.4 Bei stark atrophischem Urethragewebe (Messung <3.5cm), distaler Urethraverengung oder schwierigen Präparationsebenen (z. B. bei Patienten nach vorheriger Bestrahlung des Beckens oder Urethraschlingen-Implantation) kann ein transkorporaler Zugang gewählt werden.2
Die klinischen Ergebnisse nach Implantation einer Tandem-Manschette zeigen eine signifikante Verbesserung der Kontinenz. Studien berichten über eine Reduktion des täglichen Vorlagenverbrauchs von median 5.0 auf 2.0 Vorlagen (p<0.001),2 wobei 56-69% der Patienten 2 oder weniger Vorlagen pro Tag benötigen.2 Die Patientenzufriedenheit ist im Allgemeinen hoch; 88-94% der Patienten geben an, den Eingriff erneut durchführen zu lassen oder ihn weiterzuempfehlen.1 Zu den Komplikationen gehören jedoch Manschettenerosionen (ca. 11%) und Implantatinfektionen, insbesondere bei Patienten unter Androgendeprivationstherapie.2 3 Die 3-Jahres-Überlebensrate des Systems liegt bei etwa 76%, was mit Verfahren zum Downsizing einer Einzelmanschette vergleichbar ist.4
