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Korporale Fibrose

Auch bekannt als

Kavernosale Fibrose, Penisfibrose (wenn speziell auf die Schwellkörper Bezug genommen wird), Schwellkörperfibrose, CCF (kavernöse Schwellkörperfibrose), Fibrose der Schwellkörper, Schwellkörpernarben

Definition

Die Schwellkörperfibrose (korporale Fibrose) ist ein pathologischer Zustand, der durch die übermäßige Bildung von fibrösem Bindegewebe (Narbengewebe) in den Corpora cavernosa des Penis gekennzeichnet ist.1 Dabei werden die glatten Muskelzellen innerhalb der Corpora cavernosa nach einem auslösenden Ereignis durch fibrotisches Gewebe ersetzt.2 Dieser Prozess führt zu Wucherung, Verhärtung und Vernarbung des Schwellkörpergewebes, vor allem infolge einer übermäßigen Ablagerung von Kollagenfasern und Bestandteilen der extrazellulären Matrix.3 Das zentrale pathophysiologische Ereignis ist die Überexpression von Plasminogen-Aktivator-Inhibitor 1, Transforming Growth Factor β1 (TGF-β1) und reaktiven Sauerstoffspezies, die zu einer gesteigerten Myofibroblastenaktivität sowie zu vermehrter Kollagenbildung und -anreicherung führen.4 Dies hat einen Verlust der sinusoidalen Architektur der Corpora cavernosa, eine ungeordnete extrazelluläre Matrix und eine Narbenkontraktion zur Folge, wodurch letztlich die Fähigkeit des Gewebes beeinträchtigt wird, sich auszudehnen und mit Blut zu füllen – eine Funktion, die für das Erreichen und Aufrechterhalten einer Erektion unerlässlich ist.5 Folglich trägt die Schwellkörperfibrose maßgeblich zur erektilen Dysfunktion (ED) bei und kann zu einem Verlust an Penislänge und/oder zu einer Penisverkrümmung führen.6

Klinischer Kontext

Die Schwellkörperfibrose ist im Zusammenhang mit erektiler Dysfunktion (ED) und Penisdeformitäten klinisch relevant. Sie tritt häufig bei Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen auf, die Risikofaktoren für die Entwicklung dieser Erkrankung darstellen.1

Zu den häufigsten Ursachen gehören:

  • Priapismus: Insbesondere der therapierefraktäre Low-Flow-Priapismus, bei dem die anhaltende Erektion zu einer Gewebehypoxie und nachfolgender Fibrose führt.2 Die infolge eines ischämischen Priapismus auftretende Schwellkörperfibrose ist typischerweise distal stärker ausgeprägt und dichter.3
  • Penistrauma: Ein schweres Trauma des Penis kann einen fibrotischen Heilungsprozess in Gang setzen.4
  • Komplikationen von Penisprothesen: Die Explantation einer infizierten Penisprothese ist eine häufige Vorstufe einer ausgeprägten Schwellkörperfibrose.5 Nach Entfernung einer infizierten Penisprothese findet sich die stärkere und dichtere Fibrose proximal.6
  • Peyronie-Krankheit: Diese Erkrankung ist durch die Bildung fibröser Plaques in der Tunica albuginea gekennzeichnet, kann aber auch das darunterliegende Schwellkörpergewebe betreffen.7
  • Chronische intrakavernöse Injektionen: Die Langzeitanwendung vasoaktiver Medikamente, die zur ED-Behandlung direkt in den Penis injiziert werden, kann eine Fibrose hervorrufen.8 Eine Studie an 300 konsekutiven klinischen Fällen mit Langzeitanwendung von Prostaglandin E1 (PGE1) zeigte, dass 23,3 % der Patienten eine Penisfibrose entwickelten.9
  • Systemerkrankungen: Erkrankungen wie Diabetes mellitus sowie das Altern sind aufgrund von Faktoren wie oxidativem Stress und veränderten Signalwegen mit einem erhöhten Risiko für eine Schwellkörperfibrose verbunden.10 Auch Hypertonie und Kastration werden als ätiologische Faktoren genannt.11

Kriterien für die Patientenauswahl: Patienten mit ED, insbesondere wenn diese schwer oder fortschreitend ist oder mit Penisschmerzen, -verkrümmung oder -verkürzung einhergeht, sollten auf eine Schwellkörperfibrose untersucht werden. Patienten mit den oben genannten Risikofaktoren sind besonders gefährdet. Die Diagnose kann Anamnese, körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren wie Penis-Doppler-Ultraschall oder MRT umfassen, um Durchblutung und Gewebeeigenschaften zu beurteilen.12

Operative Verfahren: Bei schwerer Schwellkörperfibrose mit einer ED, die nicht auf konservative Behandlungen anspricht, kann ein operativer Eingriff erforderlich sein. Der wichtigste operative Ansatz ist häufig die Implantation einer Penisprothese. Eine ausgeprägte Fibrose erschwert diesen Eingriff jedoch und kann spezielle Techniken wie eine Exkavation der Schwellkörper, eine Resektion von Narbengewebe und eine Graft-Plastik (Transplantat) erfordern, um ausreichend Raum für das Implantat zu schaffen und die Penislänge wiederherzustellen bzw. Deformitäten zu korrigieren.13

Erwartete Ergebnisse: Das zu erwartende Behandlungsergebnis bei Schwellkörperfibrose hängt von ihrem Schweregrad und der gewählten Intervention ab. Konservative Behandlungen in frühen oder leichten Fällen, etwa mit Phosphodiesterase-5-Hemmern (PDE5-Hemmern) oder Pentoxifyllin, zielen darauf ab, den fibrotischen Prozess aufzuhalten oder umzukehren und die Erektionsfähigkeit zu verbessern; ihre Wirksamkeit bei manifester, schwerer Fibrose ist jedoch begrenzt.14 In schweren Fällen kann die Implantation einer Penisprothese die Sexualfunktion wiederherstellen, doch die Fibrose kann die Komplexität der Operation, die Genesung und die endgültige Penisgröße beeinflussen.15 Fibrose und Längenverlust des Penis nach Entfernung einer infizierten Penisprothese können erheblich sein; die neuen Zylinder können dabei bis zu 7 cm kürzer sein als die Zylinder der ursprünglichen Prothese.16 Dieser zu erwartende Längenverlust kann die Patientenzufriedenheit beeinträchtigen.

Wissenschaftliches Zitat

[1] Crespo REF, Stroie F, Taylor L, Pignanelli M, Parker J, Carrion R. Penile fibrosis—still scarring urologists today: a narrative review. Transl Androl Urol 2024. DOI: 10.21037/tau-23-206

[2] Egydio PH, Kuehhas FE. Treatments for fibrosis of the corpora cavernosa. Arab J Urol. 2013 Jul;11(3):294-8. DOI: 10.1016/j.aju.2013.05.004

[3] Cho MC, Song WH, Paick J-S. Suppression of Cavernosal Fibrosis in a Rat Model. Sex Med Rev 2018;6:572–582. DOI: 10.1016/j.sxmr.2018.02.007

[4] El-Sakka AI, Yassin AA. Amelioration of penile fibrosis: myth or reality. J Androl. 2010 Jul-Aug;31(4):324-35. DOI: 10.2164/jandrol.109.008730

[5] Gonzalez-Cadavid NF, Rajfer J. Mechanisms of Disease: new insights into the cellular and molecular pathology of Peyronie's disease. Nat Clin Pract Urol. 2005 Jun;2(6):291-7. DOI: 10.1038/ncpuro0201

[6] Dropkin BM, Chertack NA, Nealon SW, Joice GA, Morey AF. The hostile penis: Managing the patient with corporal fibrosis. In: Penile Implant Surgery. Cham: Springer; 2021:97-123. DOI: 10.1007/978-3-030-82363-4_7

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