Auch bekannt als
Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie (DSD), Blasensphinkter-Dyssynergie, Detrusor-externer-Sphinkter-Dyssynergie (DESD), neurogene Detrusorüberaktivität (NDO), Blasen-Sphinkter-Dyskoordination, Detrusor-quergestreifter-Sphinkter-Dyssynergie
Definition
Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie (DSD) ist ein urologisches Krankheitsbild, das durch eine fehlende Koordination zwischen dem Detrusormuskel der Blase und dem externen Harnröhrensphinkter während der Miktion gekennzeichnet ist.1 Diese Dysfunktion tritt auf, wenn der Detrusormuskel aufgrund einer unwillkürlichen Kontraktion des Harnröhrensphinkters gegen einen geschlossenen Blasenauslass kontrahiert.2 Aus physiologischer Sicht stellt die DSD wahrscheinlich eine Unterbrechung des spinobulbospinalen Trakts zwischen dem pontinen Miktionszentrum (PMC) und dem Onuf’s-Kern dar, was zu hohen urethralen Verschlussdrücken während einer Detrusorkontraktion führt.1
Während einer normalen Miktion kontrahiert der Detrusormuskel, während der externe Harnröhrensphinkter erschlafft, sodass der Urin ungehindert abfließen kann. Bei der DSD geht diese Koordination jedoch verloren, was zu Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung, erhöhtem Blasendruck und Harnverhalt führt.3 Dauerhaft erhöhte Detrusordrücke von über 40 cm Wasser wurden mit Hydronephrose und einer Verschlechterung der Nierenfunktion in Verbindung gebracht.2 Dies kennzeichnet einen erhöhten Detrusor-Leak-Point-Druck, ein Merkmal, das bei der DSD häufig beobachtet wird, insbesondere beim kontinuierlichen Typ.2
Klinischer Kontext
Die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie wird am häufigsten mit neurologischen Erkrankungen wie Rückenmarksverletzungen, Multipler Sklerose und Spina bifida assoziiert.2 Diese neurologischen Pathologien stören die Bahnen des zentralen Nervensystems, die die Urinspeicherung und -entleerung steuern, was zu einem Verlust der Koordination zwischen dem Detrusormuskel und den Harnröhrensphinktern führt.1
Die DSD wird basierend auf dem Muster der Sphinkteraktivität während der Detrusorkontraktion in drei Typen unterteilt:2
- Typ 1: Crescendo-artiger Anstieg der Sphinkteraktivität, der auf dem Höhepunkt der Detrusorkontraktion gipfelt, gefolgt von einer Relaxation des Sphinkters bei sinkendem Detrusordruck.
- Typ 2: Sporadische Kontraktionen des externen Sphinkters während der gesamten Detrusorkontraktion.
- Typ 3: Vollständiger Verschluss des Sphinkters über die gesamte Dauer der Detrusorkontraktion.
Die Diagnose einer DSD wird durch urodynamische Untersuchungen mit oder ohne Durchleuchtung mittels Elektromyographie, Miktionszystourethrogramm oder Harnröhrendruckprofilen gestellt.1 Es entspricht der Erfahrung des Autors, auffällige DSD-Befunde in der Urodynamik mittels Zystoskopie weiter abzuklären, um das Vorliegen einer zugrunde liegenden Harnröhrenstriktur auszuschließen, welche die urodynamischen Befunde verfälschen kann.1
Patienten mit DSD können ein Risiko für autonome Dysreflexie, rezidivierende Harnwegsinfektionen oder eine Schädigung des oberen Harntrakts aufweisen, wenn die Erkrankung nicht angemessen überwacht und behandelt wird.1 Ein Zusammenhang zwischen DSD und autonomer Dysreflexie wird vermutet, wenngleich der Nachweis dieser Verbindung sich als schwierig erwiesen hat, da es an standardisierten diagnostischen Kriterien für beide Erkrankungen fehlt.2
Zu den Behandlungsoptionen für DSD gehören:
- Konservative Behandlung: Der saubere intermittierende Selbstkatheterismus (CISC) in Kombination mit Antimuskarinika ist die wirksamste und am häufigsten angewandte Behandlung bei DSD.2 Diese Modalität ermöglicht die Drainage und Entleerung der Blase, selbst bei Vorliegen eines dyssynergischen Sphinkters, während die antimuskarinische Therapie den Detrusordruck senkt und Kontraktionen minimiert.2
- Pharmakotherapie: Alphablocker wie Tamsulosin haben das Restharnvolumen wirksam reduziert und das Miktionsvolumen gesteigert.2 Weitere Medikamente umfassen Baclofen (insbesondere bei intrathekaler Verabreichung), Benzodiazepine und Dantrolen-Natrium, obwohl keines dieser Präparate derzeit als Standardtherapie empfohlen wird.2
- Botulinumtoxin-Injektionen: Direkt in den Sphinktermuskel verabreichtes Botulinumtoxin – mittels Zystoskopie oder transperinealer Sonographie – hat sich bei Unwirksamkeit anderer Therapien als wirksam erwiesen, mit berichteten Wirkungsdauern zwischen 2 und 13 Monaten.2 Die Technik umfasst die Injektion von 100 Einheiten Botulinumtoxin A in den dorsalen Teil des Sphinktermuskels an bestimmten Positionen.2
- Chirurgische Interventionen: Die externe Sphinkterotomie, die eine therapeutische Durchtrennung des externen Sphinkters beinhaltet, war historisch die Standardbehandlung.2 Harnröhrenstents wurden ebenfalls als Alternative zur Sphinkterotomie eingesetzt, mit dem Vorteil, potenziell reversibel zu sein.1
- Sakrale Neuromodulation: Dieser Ansatz kann bei der Behandlung von DSD potenziell von großem Nutzen sein, auch wenn randomisierte und Langzeitstudien zur Bestätigung der Wirksamkeit noch fehlen.2 Die sakrale Neuromodulation scheint die Blasenfunktion zu verbessern, indem sie die durchschnittlichen Detrusor-Miktionsdrücke senkt und die Entstehung einer DSD in spezifischen experimentellen SCI-Tiermodellen verhindert.2
In Fällen, in denen Patienten den Selbstkatheterismus nicht durchführen können, sind Dauerkatheter, insbesondere suprapubische Blasenkatheter, ratsam.2
