Auch bekannt als
BOO, Obstruktion des unteren Harntrakts (LUTO), Blasenhalsobstruktion, Prostataobstruktion, Harnröhrenobstruktion, obstruktive Uropathie, Harnverhalt – BOO
Definition
Die Blasenauslassobstruktion (BOO) ist eine Blockade am Blasengrund, die den Harnfluss in die Harnröhre – den Kanal, der den Urin aus dem Körper leitet – verringert oder unterbricht.1 Diese Erkrankung hat vielfältige Ursachen, die funktioneller oder anatomischer Natur sein können. Die BOO verursacht eine Kompression oder einen Widerstand im Blasenauslasskanal an jeder beliebigen Stelle zwischen Blasenhals und Harnröhrenöffnung (Meatus urethrae).2 Die daraus resultierende Obstruktion führt häufig zu Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS), wobei die Belastung durch diese Symptome stark variiert und sich anhand der jeweiligen auslösenden Ursache nicht vorhersagen lässt.2 Eine BOO kann auch völlig symptomlos auftreten und erstmals im Rahmen eines Harnverhalts oder einer Dekompensation des oberen Harntrakts erkannt werden.2
Klinischer Kontext
Die Blasenauslassobstruktion ist ein wichtiger Aspekt bei der Abklärung und Behandlung von Patienten mit Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS).2 Diese Symptome können überwiegend obstruktiv oder irritativ sein oder häufig eine Kombination aus beidem darstellen. Zu den typischen obstruktiven Symptomen zählen verzögerter Miktionsbeginn, das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung, ein abgeschwächter Harnstrahl und Nachträufeln nach der Miktion. Zu den irritativen Beschwerden gehören Harndrang, häufiges Wasserlassen, gelegentliche Dysurie und Nykturie.2
Bei Männern wird die BOO am häufigsten durch eine benigne Prostatahyperplasie (BPH) verursacht, insbesondere in älteren Bevölkerungsgruppen.1 Weitere Ursachen sind Harnröhrenstrikturen, Blasenhalskontrakturen und Prostatakrebs. Bei Frauen ist die BOO seltener, kann aber Folge von Anti-Inkontinenz-Eingriffen, eines Beckenorganprolapses oder einer primären Blasenhalsobstruktion sein.3
Die Diagnose umfasst in der Regel eine Kombination aus klinischer Untersuchung, Uroflowmetrie, Restharnmessung und in einigen Fällen urodynamischen Untersuchungen, die als Goldstandard für die Quantifizierung des Obstruktionsgrads gelten.2 Auch eine Zystoskopie kann zur Darstellung von Harnröhre und Blasenhals eingesetzt werden.
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei BPH-bedingter Obstruktion kommen Medikamente (Alphablocker, 5-Alpha-Reduktase-Hemmer), minimalinvasive Verfahren oder chirurgische Eingriffe wie die transurethrale Resektion der Prostata (TURP) infrage.1 Bei akuter Obstruktion ist häufig eine Katheterisierung erforderlich, um die Blockade zu beheben.2 Eine langfristig unbehandelte BOO kann zu Blasendekompensation, rezidivierenden Harnwegsinfektionen und Nierenschäden führen.2
