Auch bekannt als
Aufblasbare Penisprothese (IPP), dreiteilige aufblasbare Penisprothese, Penisimplantat
Definition
Eine dynamische aufblasbare Penisprothese (Dynamic Inflatable Penile Prosthesis, DIPP) ist eine weiterentwickelte Form der dreiteiligen aufblasbaren Penisprothese (IPP) zur Behandlung der erektilen Dysfunktion (ED), insbesondere in Fällen, die auf eine medikamentöse Therapie nicht ansprechen 1. Der Begriff DIPP wird ausdrücklich mit technologisch weiterentwickelten Implantaten wie der Rigicon Infla10®-Serie in Verbindung gebracht, die ein natürlicheres Gefühl vermitteln und Körperfunktionen nachbilden sollen, um ein authentisches Erektionserlebnis zu ermöglichen 1, 2.
Das DIPP-System besteht typischerweise aus drei Hauptkomponenten: zwei aufblasbaren Zylindern, die in die Schwellkörper (Corpora cavernosa) des Penis implantiert werden, einem flüssigkeitsgefüllten Reservoir, das gewöhnlich im Bauchraum platziert wird (z. B. submuskulär 2), und einer Pumpe, die unauffällig im Hodensack positioniert wird 2, 4, 6. Um eine Erektion zu erzielen, drückt der Patient die Pumpe manuell zusammen; dadurch wird sterile Kochsalzlösung aus dem Reservoir in die Zylinder befördert, die sich füllen und steif werden. Die Entleerung erfolgt über einen One-Touch-Mechanismus oder ein ähnlich patientenfreundliches Pumpendesign, wodurch die Flüssigkeit ins Reservoir zurückfließt und der Penis in den schlaffen Zustand zurückkehrt 1, 4.
Zu den wesentlichen technologischen Weiterentwicklungen von DIPPs wie der Rigicon Infla10®gehören verbesserte, patientenfreundliche Pumpen mit Zugentlastung zur Vermeidung von Schlauchbrüchen, Zylinder mit größerem Umfang für mehr Rigidität und ein natürlicheres Erscheinungsbild sowie Längenzylinder, die auch bei größeren Längen ihre Rigidität behalten 1. Einige Modelle wie die Infla10® Pulse™ AX bieten eine anatomische Expansion sowohl im Umfang (bis zu 46 mm) als auch in der Länge (je nach Anatomie bis zu 25 % bezogen auf die Ausgangslänge) 2. Weitere Innovationen moderner IPPs (deren Weiterentwicklung die DIPP darstellt) sind flache Reservoirs für mehr Unauffälligkeit, optimierte Schlauchlängen, Zylinder mit schmaler Basis, spezielle 0°-Winkel-Designs zwischen Zylindern und Schläuchen zur Erleichterung der Platzierung sowie neu gestaltete, weich geformte Zylinderspitzen, die die menschliche Anatomie besser nachbilden 4. Auch antiinfektive Beschichtungen oder hydrophile Oberflächen, die Antibiotika-/Antimykotikalösungen aufnehmen, sind für die Senkung der Infektionsraten von entscheidender Bedeutung 4, 6.
Der Hauptzweck einer DIPP besteht darin, Männern eine zuverlässige und langfristige Lösung zum Erreichen zufriedenstellender Erektionen zu bieten, damit sie sexuell aktiv sein können und sich ihre Lebensqualität insgesamt verbessert 6. Diese Implantate sind so konzipiert, dass sie außerhalb der Nutzung für Außenstehende nicht sichtbar sind und im aufgepumpten Zustand eine hohe Rigidität bieten 1.
Klinischer Kontext
- Anamnese: Entscheidend ist eine gründliche Erhebung der Symptome des Patienten (z. B. mit dem International Index of Erectile Function – IIEF-5), der bisherigen ED-Behandlungen sowie etwaiger Vorerkrankungen wie Priapismus (der eine Schwellkörperfibrose verursachen und die Operation dadurch erschweren kann) oder Peyronie-Krankheit 3.
- Operative Vorgeschichte: Frühere große Beckenoperationen (z. B. radikale Prostatektomie, radikale Zystektomie, kolorektale Chirurgie, Nierentransplantation) können die Wahl des Zugangs und die Strategie der Reservoirplatzierung beeinflussen 3.
- Begleiterkrankungen: ED kann mit Grunderkrankungen wie fortgeschrittenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Adipositas einhergehen 3. Eine kardiale Risikostratifizierung und eine medizinische Freigabe können erforderlich sein. Bei Diabetikern ist eine optimale Blutzuckereinstellung wichtig, um das postoperative Infektionsrisiko zu minimieren, auch wenn keine randomisierte Studie einen sicheren HbA1c-Grenzwert festgelegt hat (häufig werden Werte unter etwa 8,5 % vorgeschlagen) 3. Zudem wird zu einem Rauchstopp geraten, um die Wundheilung zu verbessern 3.
- Erwartungen des Patienten: Chirurgen müssen eine gründliche Beratung durchführen und dabei betonen, dass die Prothese eine funktionsfähige Erektion ermöglichen soll, die Penislänge jedoch nicht vergrößert (und im Vergleich zu früheren natürlichen Erektionen möglicherweise als leicht verkürzt wahrgenommen wird). Die präoperative gestreckte Penislänge gilt häufig als realistisches Ziel für die postoperative Erektionslänge 3. Die Besprechung möglicher Risiken, des Nutzens und der Möglichkeit künftiger Revisionseingriffe ist für die informierte Einwilligung und das Erwartungsmanagement unerlässlich und trägt wesentlich zur postoperativen Zufriedenheit bei 3.
- Manuelle Geschicklichkeit und kognitive Fähigkeiten: Patienten müssen verstehen, wie das Implantat bedient wird, und über die nötige manuelle Geschicklichkeit zur Betätigung der Pumpe verfügen.
- Infektionsprävention: Sie hat oberste Priorität. Zu den Maßnahmen gehören präoperative parenterale Antibiotika (z. B. ein Aminoglykosid plus ein Cephalosporin oder Vancomycin, wobei in jüngerer Zeit auch die zusätzliche antimykotische Prophylaxe diskutiert wird), eine Hautdesinfektion auf Chlorhexidinbasis, doppelte Handschuhe sowie die Verwendung antibiotikaimprägnierter oder hydrophil beschichteter Implantate, die Antibiotikalösungen aufnehmen 3, 4. Auch die „No-Touch“-Technik kann eingesetzt werden, um den Hautkontakt mit dem Implantat zu minimieren 3.
- Operativer Zugang: Gängige Zugänge sind der penoskrotale und der infrapubische Schnitt. Die Wahl hängt von der Präferenz des Chirurgen und der Anatomie des Patienten ab. Der infrapubische Zugang ermöglicht eine direkte Sicht bei der Reservoirplatzierung 3.
- Platzierung der Komponenten:
- Zylinder: Nach der Korporotomie in der Tunica albuginea werden die Schwellkörper proximal bis zum Crus und distal bis zur Mitte der Glans dilatiert. Dabei wird darauf geachtet, eine Verletzung der Harnröhre oder ein Crossover der Schwellkörper zu vermeiden. Bei Schwellkörperfibrose können spezielle Dilatatoren verwendet werden 3. Anschließend werden die aufblasbaren Zylinder in diese Räume eingesetzt.
- Reservoir: Das Flüssigkeitsreservoir wird typischerweise im Retzius-Raum (präperitoneal) oder zunehmend in einer ektopen submuskulären Position in der Bauchwand platziert – eine Technik, die das Risiko von Darm- oder Blasenverletzungen verringern kann 3. Adaptive®-Silikonreservoirs einiger DIPP-Modelle erlauben eine Unterfüllung, um solche ektopen Platzierungen zu erleichtern 1.
- Pumpe: Der Pumpmechanismus wird in einer subkutanen Tasche im Hodensack platziert, damit der Patient ihn leicht erreichen kann 2, 3.
- Schlauchverbindungen: Die Schläuche von Zylindern, Reservoir und Pumpe werden verbunden, wobei darauf geachtet wird, dass keine Knicke oder Undichtigkeiten entstehen.
- Wundverschluss: Die Schnitte werden schichtweise verschlossen.
- Wiederherstellung der Erektionsfähigkeit: DIPPs sollen zuverlässige, vom Patienten gesteuerte Erektionen ermöglichen, die einen zufriedenstellenden Geschlechtsverkehr erlauben 1, 3. Moderne Implantate streben im schlaffen wie im erigierten Zustand ein natürliches Gefühl und Erscheinungsbild an 1, 2.
- Hohe Patientenzufriedenheit: Bei angemessener Patientenauswahl und Beratung weist die IPP-Operation im Allgemeinen hohe Zufriedenheitsraten bei Patienten und Partnern auf 3, 4. Faktoren wie eine verbesserte Pumpenergonomie, bessere Unauffälligkeit und erhöhte Rigidität tragen dazu bei 1, 4.
- Haltbarkeit: Auch wenn es langfristig zu mechanischem Versagen und zur Notwendigkeit einer Revisionsoperation kommen kann, sind moderne IPPs im Allgemeinen langlebige Medizinprodukte 1, 3.
- Komplikationen: Mögliche Komplikationen sind Infektionen (die schwerwiegendste), Schmerzen, mechanisches Versagen des Implantats, Erosion von Komponenten durch die Haut, Fehlfunktionen des Implantats, Hämatome sowie (seltene) Verletzungen benachbarter Strukturen wie Harnröhre oder Blase 3. Fortschritte bei Implantatbeschichtungen und Operationstechniken zielen darauf ab, diese Risiken zu minimieren 3, 4.
- Technologische Weiterentwicklung: Die IPP-Technologie einschließlich der DIPPs wird stetig weiterentwickelt, mit Schwerpunkt auf besseren funktionellen Ergebnissen, einfacher Handhabung, Patientensicherheit und der Minimierung postoperativer Komplikationen 1, 4. Dazu gehören spezielle Designs für schwierige Fälle wie Schwellkörperfibrose oder die Neophallus-Konstruktion bei Transgender-Patienten 4.
