Auch bekannt als
Dynamische Infusionskavernosometrie, Messung des intrakavernösen Drucks
Definition
Die Kavernosometrie ist ein spezielles diagnostisches medizinisches Verfahren, das in erster Linie zur Beurteilung der penilen Hämodynamik dient, insbesondere der veno-okklusiven Funktion des Penis, die für das Erreichen und Aufrechterhalten einer Erektion entscheidend ist.¹ Dabei wird der Druck in den Corpora cavernosa (dem Schwellkörpergewebe des Penis) während einer Kochsalzinfusion gemessen. Zweck der Kavernosometrie ist es, Störungen des Blutflusses zu erkennen, etwa ein venöses Leck (veno-okklusive Dysfunktion oder VED), das eine Ursache der erektilen Dysfunktion (ED) sein kann.¹ Die dynamische Infusionskavernosometrie und -kavernosographie (DICC) ist eine umfassende Variante dieser Untersuchung, bei der die Kavernosometrie (Druck- und Flussmessung) häufig mit einer Kavernosographie (Bildgebung mit Kontrastmittel zur Darstellung der Stelle des venösen Lecks) kombiniert wird.¹ Bei dem Verfahren wird typischerweise mit einem vasoaktiven Wirkstoff (wie Alprostadil) eine künstliche Erektion ausgelöst und anschließend Kochsalzlösung mit kontrollierten Raten in die Corpora cavernosa infundiert, während der intrakavernöse Druck (ICP) kontinuierlich überwacht wird.¹ Die zur Aufrechterhaltung einer rigiden Erektion erforderliche Infusionsrate (Erhaltungsfluss, FTM) und die Geschwindigkeit des Druckabfalls nach Beendigung der Infusion liefern quantitative Daten zur venösen Funktion.¹
Klinischer Kontext
Die Kavernosometrie ist klinisch zur diagnostischen Abklärung der erektilen Dysfunktion indiziert, insbesondere wenn ein venöses Leck (veno-okklusive Dysfunktion, VED) als zugrunde liegende Ursache vermutet wird, vor allem bei Patienten, die nicht auf ED-Behandlungen der ersten Wahl ansprechen.¹ Sie wird heute nur noch selten eingesetzt und bleibt im Allgemeinen ausgewählten Fällen nach einer nichtinvasiven Beurteilung mittels farbkodierter Duplexsonographie (CDDU) vorbehalten, da das Konzept der venogenen ED infrage gestellt wurde.¹
Relevante Erkrankungen: Die wichtigste mittels Kavernosometrie untersuchte Erkrankung ist die erektile Dysfunktion (ED), insbesondere zur Diagnose und Klassifizierung der venösen erektilen Dysfunktion (VED) bzw. veno-okklusiven Dysfunktion.¹ Kriterien für die Patientenauswahl: Männer mit ED, die unzureichend auf orale Medikamente oder andere weniger invasive Behandlungen ansprechen.¹ Patienten, bei denen die CDDU-Befunde nicht eindeutig sind oder auf ein venöses Leck hindeuten.¹ Jüngere Männer mit primärer ED, bei denen eine spezifische vaskuläre Anomalie vermutet wird.¹ Kandidaten für eine chirurgische Behandlung der VED, bei denen eine präzise Diagnose für die Behandlungsplanung entscheidend ist.¹ Die Studie von Gao et al. schloss ED-Patienten im Alter von 19-48 Jahren ein, die anhaltend unfähig waren, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten, auffällige RigiScan-Tests und spezifische CDDU-Befunde (PSV >25 cm/s und EDV >5,0 cm/s) aufwiesen.¹ Zugehörige Verfahren/Ablauf: Das DICC-Verfahren umfasst nach der Beschreibung von Gao et al.¹ Folgendes: Patient in Rückenlage, Nervenblockanästhesie an der Peniswurzel. Injektion eines vasoaktiven Wirkstoffs (z. B. 10 µg Alprostadil) zur Auslösung einer Erektion. Einführen von Nadeln in die Corpora cavernosa: eine für die Kochsalz-/Kontrastmittelinfusion, die an eine Infusionspumpe angeschlossen ist, und eine weitere zur Drucküberwachung, die an einen Druckaufnehmer angeschlossen ist. Erste Phase: Messung des intrakavernösen Ausgangsdrucks (ICP) im schlaffen Zustand, gefolgt von einer Kochsalzinfusion (z. B. 60 ml physiologische Kochsalzlösung + 20 ml Ioversol mit 0,4 ml/s), um die beginnende Erektion zu beobachten und Ausgangsaufnahmen anzufertigen, falls eine Kavernosographie durchgeführt wird. Zweite Phase: Infusion von Kochsalzlösung (für die Kavernosographie häufig mit Kontrastmittel gemischt, z. B. 200 ml Ioversol und physiologische Kochsalzlösung im Verhältnis 1:4) mit steigenden Geschwindigkeiten (z. B. 2,5; 3,5; 4,5; 4,9 ml/s) bis zur vollständigen Erektion (z. B. ICP 150 mmHg) oder bis zum Auftreten von Beschwerden beim Patienten. Anschließend wird die Infusionsgeschwindigkeit verringert, um den zur Aufrechterhaltung der Erektion erforderlichen Fluss (FTM) zu bestimmen (z. B. ICP im Bereich von 150 ± 20 mmHg gehalten). Sinkt der ICP, wird die Geschwindigkeit des Druckabfalls aufgezeichnet. Digitale Aufnahmen werden angefertigt, wenn eine Kavernosographie Teil der DICC ist. Erwartete Ergebnisse: Das Ergebnis der Kavernosometrie ist eine detaillierte Beurteilung der venösen Funktion des Penis. Sie hilft dabei: eine VED als Ursache der ED zu bestätigen oder auszuschließen.¹ Den Schweregrad des venösen Lecks zu quantifizieren (z. B. Einteilung der VED in leicht, mittelschwer oder schwer anhand der FTM- und Druckabfallwerte).¹ Individuelle Behandlungsentscheidungen zu steuern. So könnten beispielsweise Patienten mit leichter bis mittelschwerer VED für eine interventionelle Embolisation infrage kommen, während Patienten mit schwerer VED eine Penisprothesenimplantation benötigen könnten, wenn andere Behandlungen versagen.¹
