Auch bekannt als
Verzögertes Wasserlassen, Schwierigkeiten beim Einleiten des Wasserlassens, schlechter Harnstrahl, zögerndes Wasserlassen, Blasenentleerungsstörung, beeinträchtigter Harnfluss, zögerlicher Harnfluss
Definition
Harnverzögerung ist definiert als Schwierigkeiten beim Auslösen oder Aufrechterhalten eines Harnstrahls, gekennzeichnet durch eine Verzögerung beim Entleeren und/oder eine verringerte Kraft des Harnflusses.1 Dieser Zustand tritt auf, wenn die Koordination zwischen den Blasenmuskeln, dem Beckenboden und dem Nervensystem beeinträchtigt ist, was zu Schwierigkeiten beim Starten des Wasserlassens oder beim Aufrechterhalten eines gleichmäßigen Urinflusses führt.2 Harnverhaltung kann von leichten Schwierigkeiten bis hin zu vollständiger Harnverhaltung reichen, wenn eine Person ist nicht in der Lage, die Blase vollständig zu entleeren.3 Während es aufgrund einer vergrößerten Prostata am häufigsten bei älteren Männern auftritt, kann Harnverhalt bei Menschen jeden Alters und Geschlechts auftreten, die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und möglicherweise zu Komplikationen führen, wenn es nicht behandelt wird.4
Klinischer Kontext
Harnverhaltung tritt in verschiedenen klinischen Szenarien auf und betrifft sowohl Männer als auch Frauen, allerdings mit unterschiedlichen zugrunde liegenden Ätiologien.1 Bei Männern ist die häufigste Ursache die benigne Prostatahyperplasie (BPH), von der etwa 50 % der Männer im Alter von 60 Jahren betroffen sind.2 Die vergrößerte Prostata übt Druck auf die Harnröhre aus, was es schwierig macht, das Wasserlassen einzuleiten oder aufrechtzuerhalten. Weitere Ursachen sind neurologische Störungen (Multiple Sklerose, Schlaganfall, Diabetes mellitus), Medikamente (Anticholinergika, alpha-adrenerge Agonisten, Antidepressiva), Harnröhrenstrikturen und Harnwegsinfektionen.3
Bei Frauen kann es während der Schwangerschaft und nach der Geburt zu Harnverzögerungen kommen. Zu den Risikofaktoren gehören eine verlängerte zweite Phase der Wehen, Dammschnitt, Dammriss und die Verwendung einer Pinzette oder eines Vakuums während der Entbindung.4 Funktionsstörungen des Beckenbodens, Harnwegsinfektionen und neurologische Erkrankungen tragen ebenfalls erheblich zur Harnverzögerung bei Frauen bei.
Die diagnostische Beurteilung beginnt in der Regel mit einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung, gefolgt von einer Urinanalyse und einer Urinkultur, um eine Infektion auszuschließen. Zusätzliche Tests können Uroflowmetrie, Restmessung nach der Entleerung, Zystoskopie und urodynamische Untersuchungen zur Beurteilung der Blasen- und Harnröhrenfunktion umfassen.1 Die Behandlungsansätze variieren je nach der zugrunde liegenden Ursache und können Medikamente (Alpha-Blocker bei BPH, Antibiotika bei Infektionen), Physiotherapie des Beckenbodens, intermittierende Katheterisierung oder chirurgische Eingriffe bei anatomischen Obstruktionen umfassen.3
Unbehandelte Harnverhaltung kann zu Harnverhalt führen, der als medizinischer Notfall gilt und sofortiges Eingreifen erfordert, um Blasenschäden und möglichen Nierenkomplikationen vorzubeugen.4
