Auch bekannt als
Androgenrezeptorantagonisten, Androgenrezeptorblocker, Testosteronblocker, AR-Inhibitoren, Androgenantagonisten
Definition
Antiandrogene sind Medikamente, die an intrazelluläre Androgenrezeptoren binden und so die Wirkung körpereigener Androgene auf Zielgewebe wie Hoden, Haarfollikel, Hypothalamus, Hypophyse, Eierstöcke und Prostata verhindern.1 Diese Wirkstoffe wirken der Androgenwirkung entgegen, indem sie die Bindung von Androgen an den Androgenrezeptor (AR) unterbinden und so das Androgensignal durch Hemmung der Translokation in den Zellkern blockieren.2 Antiandrogene werden in steroidale (wie Cyproteronacetat) und nichtsteroidale (darunter Flutamid, Nilutamid, Bicalutamid, Enzalutamid, Apalutamid und Darolutamid) eingeteilt.3 Die Antiandrogene der neueren Generation (Enzalutamid, Apalutamid, Darolutamid) besitzen eine höhere Affinität zum AR, was die androgenblockierende Wirkung optimiert.4 Antiandrogene werden vor allem in der Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt, kommen aber auch bei anderen Erkrankungen zum Einsatz, bei denen eine Verringerung der Androgenwirkung von Nutzen ist.5
Klinischer Kontext
Antiandrogene werden vor allem in der Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt, wo sie sowohl bei der kastrationssensitiven als auch bei der kastrationsresistenten Erkrankung eine wichtige Rolle spielen.1 Seit der Entdeckung der Androgenrezeptoren Ende der 1960er-Jahre ist bekannt, dass ihre Aktivierung ihre Translokation aus dem Zytoplasma in den Zellkern bewirkt, was zur Expression von Proliferationsgenen führt.2
In der Behandlung des Prostatakarzinoms werden Antiandrogene häufig mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) kombiniert, um eine vollständige Androgenblockade zu erreichen.3 Diese Kombination senkt den Androgenspiegel und verhindert zugleich, dass verbleibendes Androgen an Androgenrezeptoren bindet. In Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie sollen die Antiandrogene der ersten Generation Flutamid und Nilutamid beim metastasierten kastrationssensitiven Prostatakarzinom das Gesamtüberleben um 3 bis 8 Monate verbessert und das progressionsfreie Überleben verlängert haben, während Bicalutamid einen geringeren Nutzen zeigte.4
Die Antiandrogene der neueren Generation (Enzalutamid, Apalutamid, Darolutamid) haben eine höhere Wirksamkeit gezeigt. So hat Enzalutamid beim metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom sowohl vor als auch nach einer Chemotherapie eine Verbesserung des Gesamtüberlebens gezeigt (Studien PREVAIL und AFFIRM) sowie beim nicht metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom eine Verbesserung des metastasenfreien Überlebens (Studie PROSPER).5 Ebenso hat Apalutamid bei Männern mit nicht metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom und hohem Risiko für die Entwicklung von Metastasen ein verbessertes metastasenfreies Überleben gezeigt (Studie SPARTAN).6
Die Auswahl der Patienten für eine Antiandrogentherapie hängt vom Stadium und den Merkmalen des Prostatakarzinoms ab. Gemäß internationalen Leitlinien (EAU, NCCN, AUA) werden Antiandrogene für Patienten mit nicht metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom und hohem Metastasierungsrisiko sowie für verschiedene Stadien der metastasierten Erkrankung empfohlen.7
Über das Prostatakarzinom hinaus werden Antiandrogene auch zur Behandlung anderer Erkrankungen wie Hirsutismus, Akne und Paraphilien eingesetzt, wobei diese Anwendungen je nach Wirkstoff variieren und teilweise außerhalb der Zulassung (Off-Label) erfolgen.8
