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Abdomineller Leak-Point-Druck (ALPP)

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Auch bekannt als

Abdominal LPP, Abdomineller Leak-Point-Druck (abdominaler LPP), Valsalva-Leak-Point-Druck (VLPP), Husten-Leak-Point-Druck (CLPP), Stress-Leak-Point-Druck

Definition

Der Abdominelle Leak-Point-Druck (ALPP) ist ein dynamischer urodynamischer Test, der den intravesikalen Druck misst, bei dem es infolge eines erhöhten abdominellen Drucks in Abwesenheit einer Detrusorkontraktion zu einem Urinverlust kommt.¹ Er stellt den niedrigsten Wert des willkürlich erhöhten intravesikalen Drucks dar, der einen Urinaustritt provoziert, wenn der Blasenmuskel nicht kontrahiert.² Der ALPP wird unter aktiver Mitarbeit des Patienten durchgeführt, um den intraabdominellen Druck durch Manöver wie Husten (Cough-LPP) oder ein Valsalva-Manöver (Valsalva-LPP) gezielt zu steigern.¹

Die Untersuchung erfolgt im Rahmen urodynamischer Messungen bei standardisiert gefüllter Blase, typischerweise mit 200–300 ml.¹ Zur Gewährleistung der Genauigkeit werden Mehrfachmessungen empfohlen, da verschiedene Faktoren die Ergebnisse beeinflussen können; hierzu zählen Kathetergröße, die Methode zum Nachweis des Urinverlusts, Katheterlage, Art des Drucksensors, Blasenvolumen, Füllungsgeschwindigkeit der Blase sowie die Position des Patienten.¹

Der ALPP dient als wertvoller diagnostischer Parameter zur Beurteilung der Urethrafunktion, insbesondere bei Patienten mit Belastungsinkontinenz.³ Ein niedriger ALPP-Wert (insbesondere unter 60 cm H₂O) weist auf eine unzureichende Urethrafunktion hin und ist mit einer intrinsischen Sphinkterinsuffizienz (ISD) assoziiert, während höhere Werte auf andere Mechanismen der Inkontinenz wie eine urethrale Hypermobilität hindeuten können.³ Diese Unterscheidung ist von hoher klinischer Relevanz, da sie Therapieentscheidungen leitet und dabei hilft, chirurgische Ergebnisse vorherzusagen.⁵

Klinischer Kontext

Der abdominelle Leak-Point-Druck (ALPP) wird primär bei der klinischen Beurteilung und Behandlung der Belastungsinkontinenz (SUI) eingesetzt, die als unwillkürlicher Urinverlust bei Aktivitäten mit Erhöhung des intraabdominellen Drucks wie Husten, Niesen oder körperlicher Anstrengung definiert ist.¹ Der ALPP unterstützt Kliniker dabei, die zugrunde liegende Pathophysiologie der SUI zu verstehen und Therapieentscheidungen zu treffen.

Diagnostische Bedeutung

Der ALPP dient in urodynamischen Untersuchungen als entscheidender diagnostischer Parameter zur Differenzierung zwischen den beiden Hauptmechanismen der Belastungsinkontinenz:

1. Intrinsische Sphinkterinsuffizienz (ISD): Gekennzeichnet durch niedrige VLPP-Werte (<60 cm H₂O), spiegelt die ISD eine mangelhafte Urethrafunktion aufgrund einer Schädigung oder Schwäche des Schließmuskelapparates wider.³ Patienten mit ISD weisen typischerweise eine schwerere Inkontinenz auf und benötigen im Vergleich zu Patienten mit urethraler Hypermobilität möglicherweise andere operative Verfahren.⁵

2. Urethrale Hypermobilität: Assoziiert mit höheren VLPP-Werten (>90 cm H₂O), resultiert dieser Zustand aus einer unzureichenden Stützung des Blasenhalses und der proximalen Urethra.³ Bei steigendem abdominellem Druck verlagert sich die Urethra übermäßig, was ihren Verschlussmechanismus beeinträchtigt.

Die Interpretation der ALPP-Werte nach der McGuire-Klassifikation³:

  • VLPP < 60 cm H₂O: Weist stark auf eine intrinsische Sphinkterinsuffizienz hin
  • VLPP 60–90 cm H₂O: Uneindeutig, kann Komponenten sowohl einer ISD als auch einer Hypermobilität aufweisen
  • VLPP > 90 cm H₂O: Spricht für eine Sphinkterkompetenz; Inkontinenz ist wahrscheinlich auf eine urethrale Hypermobilität zurückzuführen
  • VLPP > 150 cm H₂O: Inkontinenz beruht sehr unwahrscheinlich auf einer urethralen Inkompetenz

Messtechnik

Die Messung des ALPP folgt während der Urodynamik einem standardisierten Protokoll:

1. Dem Patienten wird zur Druckmessung ein Katheter in die Blase eingelegt

2. Die Blase wird auf ein vorab definiertes Volumen gefüllt, üblicherweise 200–300 ml¹

3. Der Patient wird angewiesen, Manöver zur Erhöhung des abdominellen Drucks durchzuführen:

  • Valsalva-Manöver (Bauchpresse) für den VLPP
  • Husten für den CLPP

4. Der intravesikale Druck, bei dem der erste Urinaustritt sichtbar wird, wird als ALPP dokumentiert

5. Mehrfachmessungen werden empfohlen, um die Genauigkeit sicherzustellen¹

Zu den Einflussfaktoren auf die ALPP-Messungen gehören Kathetergröße, Patientenposition (sitzend vs. stehend), Blasenvolumen, Füllungsrate der Blase und die Methode zur Bestätigung des Urinaustritts.¹ Diese Variablen sollten während der Untersuchung standardisiert und dokumentiert werden.

Klinische Bedeutung und therapeutische Konsequenzen

ALPP-Werte haben wichtige Implikationen für die Therapiewahl und die chirurgischen Behandlungsergebnisse bei Patienten mit Belastungsinkontinenz:

1. Operationsplanung: Patienten mit niedrigem ALPP (<60 cm H₂O), der auf eine ISD hinweist, können von Verfahren profitieren, die spezifisch auf die Verbesserung der Koaptation der Urethra ausgelegt sind, wie beispielsweise pubovaginale Schlingen oder periurethrale Bulking-Substanzen.⁵ Umgekehrt sind Patienten mit höheren ALPP-Werten unter Umständen bessere Kandidaten für Eingriffe zur Behebung einer urethralen Hypermobilität, wie etwa eine retropubische Urethropexie.

2. Ergebnisprognose: Es gibt Hinweise darauf, dass niedrige präoperative ALPP-Werte mit höheren Versagensraten nach bestimmten Antinkontinenzoperationen, insbesondere suburethralen Schlingenbändern (Mid-Urethral Slings), einhergehen können.⁵ Dieser Zusammenhang wird jedoch weiterhin kontrovers diskutiert, da einige Studien keine signifikante Korrelation zwischen dem ALPP und den chirurgischen Ergebnissen fanden.⁴

3. Postoperative Evaluation: Der ALPP kann auch verwendet werden, um die Wirksamkeit chirurgischer Interventionen durch den Vergleich von prä- und postoperativen Werten zu beurteilen.

4. Nicht-operatives Management: Bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer SUI und höheren ALPP-Werten haben konservative Ansätze wie ein Beckenbodentraining eine höhere Erfolgsaussicht.

Trotz seines klinischen Nutzens sollte der ALPP nicht isoliert für die Diagnosestellung oder Therapieplanung herangezogen werden. Eine umfassende Beurteilung einschließlich Anamnese, körperlicher Untersuchung und weiterer urodynamischer Parameter bildet die verlässlichste Grundlage für klinische Entscheidungen bei Patienten mit Belastungsinkontinenz.

Wissenschaftliches Zitat

[1] Haylen BT, de Ridder D, Freeman RM, Swift SE, Berghmans B, Lee J, Monga A, Petri E, Rizk D, Sand PK, Schaer GK. An International Urogynecological Association (IUGA) / International Continence Society (ICS) joint report on the terminology for female pelvic floor dysfunction. Neurourol Urodyn. 2010;29:4-20. DOI: 10.1007/s00192-009-0976-9

[2] Abrams P, Artibani W, Cardozo L, et al. Reviewing the ICS 2002 terminology report: the ongoing debate. Neurourol Urodyn 2009; 28:287. DOI: 10.1002/nau.20737

[3] McGuire EJ, Woodside JR, Borden TA, et al. Prognostic value of urodynamic testing in myelodysplastic patients. J Urol 1981; 126:205–209. DOI: 10.1016/s0022-5347(17)54449-3

[4] Twiss C, Fleischmann N, Nitti VW. Correlation of abdominal leak point pressure with objective incontinence severity in men with post-radical prostatectomy stress incontinence. Neurourol Urodyn. 2005;24(3):207-10. DOI: 10.1002/nau.20120

[5] Arribillaga L, Ledesma M, Montedoro A, Grutadauria G, Oultón G, Bengió RG. Clinical score predictive of abdominal leak point pressure (ALPP) <60 cm H2O in the urodynamics study of women with stress urinary incontinence. European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology. 2019;236:13-17. DOI: https://doi.org/10.1016/j.ejogrb.2019.02.017