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Device-Extrusion (AUS)

Auch bekannt als

Manschettenerosion, Urethraerosion, AUS-Erosion, Urethramanschettenerosion, Implantaterosion, Sphinktererosion, Prothesenerosion

Definition

Die Device-Extrusion (AUS) ist eine schwerwiegende Komplikation bei der Implantation eines künstlichen Harnröhrensphinkters (Artificial Urinary Sphincter), bei der Komponenten des Implantats, meistens die Urethramanschette, durch das umgebende Gewebe erodieren und freiliegen1. Dieser Prozess umfasst typischerweise die Erosion der Manschette durch die Harnröhrenwand, wodurch sowohl die Integrität des Implantats als auch des Urethragewebes beeinträchtigt wird2. Die Erosion tritt üblicherweise an der ventralen Seite der Urethra und sekundär an den lateralen Seiten auf, während eine dorsale Erosion seltener ist3. Eine Device-Extrusion kann zu einer Implantatinfektion, Harnwegsinfektion und letztlich zum Implantatversagen führen, was eine Explantation erforderlich macht4. Diese Komplikation stellt eines der bedeutendsten unerwünschten Ereignisse im Zusammenhang mit einer AUS-Implantation dar, mit in der publizierten Literatur berichteten Raten zwischen 3,8–10 %5.

Klinischer Kontext

Eine Device-Extrusion (AUS) tritt im klinischen Rahmen der Behandlung der männlichen Belastungsinkontinenz mittels Implantation eines künstlichen Harnröhrensphinkters auf. Mehrere patientenbezogene Faktoren erhöhen das Risiko für diese Komplikation, darunter eine vorausgegangene Strahlentherapie (“fragile Urethra”), vorangegangene Urethroplastiken, Hypogonadismus mit niedrigen Testosteronspiegeln, höheres Alter (über 80 Jahre), Diabetes, die Notwendigkeit einer Antikoagulation sowie eine Anamnese von Schlaganfall oder koronarer Herzkrankheit1,4.

Zu den perioperativen Faktoren, die zu einer Device-Extrusion beitragen können, gehören ein Harnverhalt in der akuten postoperativen Phase, eine längere Blasenkatheterisierung (>48 Stunden) sowie endoskopische Manipulationen bei aktiviertem AUS2. Implantatspezifische Überlegungen betreffen die Manschettengröße, wobei kleinere Manschetten (3,5 cm) das Erosionsrisiko potenziell erhöhen können3. Es konnte gezeigt werden, dass eine Beckenbestrahlung das Erosionsrisiko im Vergleich zu unbestrahlten Patienten um 41,1 % erhöht5.

Patienten mit einer Device-Extrusion können sich mit einem Symptomspektrum präsentieren, das von leichten Veränderungen der Miktionssymptome bis hin zu einer Sepsis reicht2. Häufige Erstsymptome sind skrotale Entzündungszeichen (Druckschmerzhaftigkeit, Erythem, Schwellung), obstruktive Miktionsbeschwerden und eine sich verschlechternde Inkontinenz2. Einige Patienten können asymptomatisch sein, wobei die Erosion bei einer routinemäßigen Kontrollzystoskopie entdeckt wird4.

Die Diagnose wird primär mittels Zystoskopie gestellt, wobei ein retrogrades Urethrogramm als ergänzende Untersuchung dient2. Das Management erfordert eine Explantation des Implantats, wobei der Zeitpunkt vom Zustand des Patienten abhängt. Bei septischen Patienten mit offensichtlichen Infektionszeichen ist eine dringliche Explantation erforderlich, während stabile Patienten ohne besorgniserregende Infektionssymptome ambulant explantiert werden können2. Zur Vermeidung von Rezidiven wurden verschiedene chirurgische Ansätze entwickelt, darunter die transkorporale Manschettenplatzierung, die Rektusfaszien-Umhüllung und die In-situ-Urethroplastik zum Zeitpunkt der Explantation3,5.

Nach der Explantation ist eine Phase der Harnröhrenruhe erforderlich, bevor eine Replantation in Erwägung gezogen wird. Die Patienten müssen über das höhere Risiko einer erneuten Erosion bei einer Sekundärimplantation aufgeklärt werden (bis zu viermal höher)4. Trotz dieser Herausforderungen erreichen viele Patienten bei adäquatem Management und entsprechender chirurgischer Technik letztlich eine zufriedenstellende Kontinenz1.

Wissenschaftliches Zitat

[1] Frazier RL, Jones ME, Hofer MD. Artificial Urinary Sphincter Complications: A Narrative Review. J Clin Med. 2024;13(7):1913. DOI: https://doi.org/10.3390/jcm13071913

[2] Desai TJ, Rozanski AT. Artificial urinary sphincter erosion and infection: a contemporary review of perioperative considerations and management. Transl Androl Urol. 2024;13(5):1107-1118. DOI: https://doi.org/10.21037/tau-23-488

[3] Rozanski AT, Tausch TJ, Ramirez D, et al. Immediate urethral repair during explantation prevents stricture formation after artificial urinary sphincter cuff erosion. J Urol. 2014;192(2):442-446. DOI: https://doi.org/10.1016/j.juro.2014.01.108

[4] Linder BJ, Rivera ME, Ziegelmann MJ, Elliott DS. Long-term Device Outcomes of Artificial Urinary Sphincter Reimplantation Following Prior Explantation for Erosion or Infection. J Urol. 2014;191(3):734-738. DOI: https://doi.org/10.1016/j.juro.2013.08.089

[5] Brant WO, Erickson BA, Elliott SP, et al. Risk Factors for Erosion of Artificial Urinary Sphincters: A Multicenter Prospective Study. Urology. 2014;84(4):934-938. DOI: https://doi.org/10.1016/j.urology.2014.05.043