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Onkosexologie

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Auch bekannt als

Krebsbedingte sexuelle Gesundheit, onkologische Sexologie, Sexualbetreuung bei Krebserkrankungen, Sexualonkologie, sexuelle Krebsrehabilitation

Definition

Die Onkosexologie ist ein multidisziplinäres Teilgebiet der medizinischen Sexologie, das sich mit den Auswirkungen von Krebserkrankungen und ihrer Behandlung auf die Sexualfunktion und die Lebensqualität der Patienten befasst1. Die Onkosexologie, die sich mit den verbesserten Überlebensraten bei Krebs als eigenständiges Fachgebiet herausgebildet hat2, beruht auf der Zusammenarbeit von Onkologen, Sexologen, Psychologen und Physiotherapeuten, um Krebspatienten bei Fragen der sexuellen Gesundheit umfassend zu versorgen3. Dieses Fachgebiet berücksichtigt, dass etwa 80 % der onkologischen Patienten über eine Verschlechterung ihrer sexuellen Lebensqualität berichten4und 44 % Beziehungsprobleme mit ihren Partnern erleben5. Die Onkosexologie befasst sich mit dem breiten Spektrum sexueller Probleme, die durch verschiedene Krebsbehandlungen entstehen können, darunter Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und Hormontherapien, und zielt darauf ab, die Lebensqualität insgesamt durch sexuelle Rehabilitation, Aufklärung und Beratung zu verbessern6.

Klinischer Kontext

Die Onkosexologie ist bei verschiedenen Krebsarten klinisch relevant, besonders wichtig jedoch bei Malignomen des Beckens (Prostata, Harnblase, Kolorektum, gynäkologische Tumoren), da diese die Sexualorgane und die Sexualfunktion direkt beeinträchtigen7. Das Fachgebiet befasst sich mit spezifischen sexuellen Funktionsstörungen, die sich je nach Geschlecht unterscheiden:

Bei Männern gehören zu den häufigen Problemen erektile Dysfunktion, Testosteronmangel, Ejakulationsstörungen, Orgasmusstörungen, sexuelle Inkontinenz und Penisverkürzung8. So führt beispielsweise eine radikale Prostatektomie wegen Prostatakrebs aufgrund von Nervenschädigungen häufig zu einer erektilen Dysfunktion, während eine Androgendeprivationstherapie Veränderungen der Libido und der Erektionsfunktion verursachen kann9.

Bei Frauen können Krebsbehandlungen Scheidentrockenheit, Dyspareunie (schmerzhaften Geschlechtsverkehr), verminderte Libido und Probleme mit dem Körperbild verursachen10. Eine Mastektomie kann zum Verlust der Empfindsamkeit der Brustwarze und zu einer veränderten Körperwahrnehmung führen, während eine Bestrahlung des Beckens eine Vaginalstenose und Trockenheit verursachen kann11.

Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) empfiehlt, dass medizinische Fachkräfte Gespräche über sexuelle Gesundheit mit Krebspatienten von sich aus anstoßen12. Zu den Behandlungsansätzen gehören psychosoziale Beratung, medizinische Maßnahmen (etwa PDE5-Hemmer für Männer und vaginale Feuchtigkeitscremes für Frauen) sowie sexuelle Rehabilitationsprogramme13. Die Einbeziehung der Sexualität in Diagnostik und Behandlungsplanung kann die Morbidität verringern und dazu beitragen, die negativen Auswirkungen einer Krebserkrankung auf die Sexualfunktion abzumildern14.

Wissenschaftliches Zitat

[1] Salter CA, Mulhall JP. Oncosexology: Sexual Issues in the Male Cancer Survivor. Urol Clin North Am. 2021 Nov;48(4):591-602. doi: 10.1016/j.ucl.2021.07.001

[2] Plagens-Rotman K, Merks P, Pisarska-Krawczyk M, et al. Oncosexology – selected issues taking into account the problem of sexological care of patients with cancer. Prz Menopauzalny. 2024 Oct;14;23(3):152-158. doi: 10.5114/pm.2024.143482

[3] Carter J, Lacchetti C, Andersen BL, et al. Interventions to Address Sexual Problems in People With Cancer: American Society of Clinical Oncology Clinical Practice Guideline Adaptation of Cancer Care Ontario Guideline. J Clin Oncol. 2018;36(5):492-511. doi:10.1200/JCO.2017.75.8995
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