Ausführliche Antwort
Penisimplantate sind eine bewährte, hochwirksame Behandlung der erektilen Dysfunktion (ED), wenn andere Behandlungen nicht geeignet sind oder nicht gewirkt haben oder wenn ein Patient eine definitive Therapie bevorzugt. Laut den EAU-Leitlinien 2025 werden diese Implantate aufgrund ihrer hohen Wirksamkeits-, Sicherheits- und Zufriedenheitsraten für Patienten empfohlen, die auf weniger invasive Behandlungen nicht ansprechen.¹ Moderne Implantate haben sich erheblich weiterentwickelt: Die mechanischen Ausfallraten der am häufigsten verwendeten dreiteiligen Prothesen liegen nach 5 Jahren Nachbeobachtung unter 5 %.² Die EAU-Leitlinien unterscheiden zwei derzeit verfügbare Hauptkategorien von Penisimplantaten: formbare (semirigide) und aufblasbare (2-teilige und 3-teilige) Prothesen. Dreiteilige aufblasbare Implantate bieten den natürlichsten erigierten und schlaffen Zustand und damit optimale Unauffälligkeit und Rigidität.³ Diese Implantate bestehen aus paarigen Zylindern, die in die Schwellkörper (Corpora cavernosa) implantiert werden, einer im Hodensack platzierten Pumpe zur Aktivierung und einem im retropubischen Raum positionierten Flüssigkeitsreservoir. Formbare Implantate bieten zwar eine einfachere chirurgische Implantation und niedrigere mechanische Ausfallraten, liefern jedoch weniger natürliche Ergebnisse, bleiben aber für bestimmte Patientengruppen wertvolle Optionen.⁴ Hinsichtlich der Haltbarkeit zeigt eine in den Leitlinien zitierte Metaanalyse beeindruckende Überlebensraten der Implantate: 93,3 % nach 1 Jahr, 91,0 % nach 3 Jahren, 87,2 % nach 5 Jahren, 76,8 % nach 10 Jahren, 63,7 % nach 15 Jahren und 52,9 % nach 20 Jahren.⁵ Die beiden Hauptkomplikationen sind mechanisches Versagen und Infektionen. Durch sorgfältige Operationstechniken und geeignete Antibiotikaprophylaxe wurden die Infektionsraten bei Erstimplantation bei Patienten mit niedrigem Risiko in Zentren mit hohen Fallzahlen auf 2–3 % gesenkt.⁶ Fortschrittliche antimikrobielle Beschichtungen haben die Infektionsraten mit antibiotikaimprägnierten oder hydrophil beschichteten Prothesen weiter auf 1–2 % gesenkt.⁷ Die Leitlinien betonen, dass die Patientenauswahl für optimale Ergebnisse entscheidend ist. Diabetes mellitus wurde als Risikofaktor für Infektionen von Penisprothesen identifiziert, was die Bedeutung einer sorgfältigen Patientenbeurteilung unterstreicht.⁸ Zudem haben Patienten mit Rückenmarksverletzungen ein höheres Komplikationsrisiko; in veröffentlichten Fallserien wiesen bis zu 16 % eine Infektion der Prothese auf.⁹ Trotz dieser Überlegungen bestätigen die Leitlinien, dass es hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit keinen Unterschied zwischen den verschiedenen verfügbaren Penisimplantaten oder den angewandten chirurgischen Zugangswegen gibt.¹⁰ Die EAU-Leitlinien weisen zudem darauf hin, dass eine gezielte psychosexuelle Beratung die Sexualität und das sexuelle Wohlbefinden sowohl der Patienten als auch ihrer Partnerinnen und Partner nach einer Penisimplantat-Operation verbessern kann.¹¹ Patienten sollten realistische Erwartungen hinsichtlich des natürlichen Aussehens und der Funktion des Implantats haben und verstehen, dass diese Implantate zwar zuverlässige Erektionen für sexuelle Aktivität ermöglichen, die Penislänge jedoch nicht vergrößern.¹² Für Patienten, die sich wegen der Penisgröße Sorgen machen, stellen die Leitlinien fest, dass Penisimplantate nicht wirksam sind, um die Penislänge zu vergrößern, und nicht dafür ausgelegt sind, eine frühere Penislänge wiederherzustellen. Dies ist ein wichtiger Gesichtspunkt bei der präoperativen Beratung, um angemessene Erwartungen sicherzustellen.¹³ Die Leitlinien weisen darauf hin, dass eine sorgfältige Operationstechnik und eine geeignete Antibiotikaprophylaxe dazu beitragen, die Infektionsraten niedrig zu halten.¹⁴
Aus den Leitlinien
„Es gibt ausreichende Evidenz, um diesen Ansatz bei Patienten zu empfehlen, die auf weniger invasive Behandlungen nicht ansprechen, da er eine hohe Wirksamkeit, Sicherheit und Zufriedenheitsrate aufweist.“ (S. 56)